ICD

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(Weitergeleitet von ICD 10)

ICD (International Classification of Diseases and Related Health Problems) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproblemen. Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet.

Die in der deutschen Krankenkassenabrechnung verwendete "German Modification" wird vom Deutschen Insititut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) im Aufgrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) herausgegeben und überarbeitet.

Über ein System von Schlüsseln werden in dem Werk Definitionen für Krankheiten und Verletzungen für Diagnosen sowie Kontaktanlässe und Lebensumstände festgelegt, die für die medizinische Versorgung und Prävention sowie statistische Erhebungen im Gesundheitswesen von Interesse sind.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] SM-relevante Einträge

Hier eine Auswahl von Einträgen in der ICD-10, die für BDSMler relevant sein könnten - sie laufen alle unter „Störung der Sexualpräferenz“:

[Bearbeiten] Störung der Sexualpräferenz (F65)

Folgende Kriterien müssen lt. ICD-10 erfüllt sein:

  1. Wiederholt auftretende intensive sexuelle Impulse und Phantasien, die sich auf ungewöhnliche Gegenstände oder Aktivitäten beziehen.
  2. Handelt entsprechend den Impulsen oder fühlt sich durch sie deutlich beeinträchtigt.
  3. Diese Präferenz besteht seit mindestens sechs Monaten.

Der springende Punkt liegt - im Gegensatz zur DSM-4 Definition - im Wörtchen oder statt und: Dies bedeutet im Klartext mit dem Wort und: Wer seine sexuellen Neigungen erkennt, nicht unterdrückt, auslebt und trotzdem leidet, wird als krank definiert. In allen anderen Fällen ist es normales Sexualverhalten.

[Bearbeiten] Fetischismus (F65.0)

Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und Befriedigung. Viele Fetische stellen eine Erweiterung des menschlichen Körpers dar, z.B. Kleidungsstücke oder Schuhwerk. Andere gebräuchliche Beispiele sind Gegenstände aus Gummi, Plastik oder Leder. Die Fetischobjekte haben individuell wechselnde Bedeutung. In einigen Fällen dienen sie lediglich der Verstärkung der auf üblichem Wege erreichten sexuellen Erregung (z.B. wenn der Partner ein bestimmtes Kleidungsstück tragen soll).

[Bearbeiten] Fetischistischer Transvestitismus (F65.1)

Zur Erreichung sexueller Erregung wird Kleidung des anderen Geschlechts getragen; damit wird der Anschein erweckt, daß es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Fetischistischer Transvestitismus unterscheidet sich vom transsexuellem Transvestitismus durch die deutliche Kopplung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen. Er kann als eine frühere Phase in der Entwicklung eines Transsexualismus auftreten.

Transvestitischer Fetischismus

[Bearbeiten] Sadomasochismus (F65.5)

Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen, Erniedrigung oder Fesseln bevorzugt. Wenn die betroffene Person diese Art der Stimulation erleidet, handelt es sich um Masochismus; wenn sie sie jemand anderem zufügt, um Sadismus. Oft empfindet die betroffene Person sowohl bei masochistischen als auch sadistischen Aktivitäten sexuelle Erregung.

Masochismus Sadismus

[Bearbeiten] Multiple Störungen der Sexualpräferenz (F65.6)

In manchen Fällen bestehen bei einer Person mehrere abnorme sexuelle Präferenzen, ohne daß eine im Vordergrund steht. Die häufigste Kombination ist Fetischismus, Transvestitismus und Sadomasochismus.

[Bearbeiten] Sonstige Störungen der Sexualpräferenz (F65.8)

Hier sind eine Vielzahl anderer sexueller Präferenzen und Aktivitäten zu klassifizieren wie obszöne Telefonanrufe, Pressen des eigenen Körpers an andere Menschen zur sexuellen Stimulation in Menschenansammlungen, sexuelle Handlungen an Tieren, Strangulieren und Nutzung der Anoxie zur Steigerung der sexuellen Erregung.

Frotteurismus Nekrophilie

[Bearbeiten] Rechtslage in Deutschland

Seit 1. Januar 2004 müssen gesetzlich vorgeschrieben auch im ambulanten Bereich Diagnosen nicht mehr fallbezogen, sondern personenbezogen an die gesetzlichen Krankenkassen für die Abrechnung weitergegeben werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Neigungen von BDSMler bei deren Krankenkasse gespeichert werden.

[Bearbeiten] Kritik an der ICD-10

Kritiker werfen der ICD vor, Sexualpräferenzen - im Gegensatz zur DSM-4 - als Krankheit zu definieren (Sadomasochismus, Fetischismus, Transvestitismus) ohne dass sie überhaupt behandlungsbedürftig sind. In den USA zählt gemäß DSM-4 Sadomasochismus, der keinen Leidensdruck verursacht (was ja nach einem Inner-Comming-Out nie derfall ist), nicht als krankhaft. Es müßte folglich lediglich der ICD an den DSM angeglichen werden.

Daneben besteht in Deutschland die Befürchtung, zum gläsernen Patienten zu werden und dass die individuellen sexuellen Neigungen gespeichert und weitergegeben werden.

Ein internationales Projekt, ReviseF65, setzt sich dafür ein, die Klassifikationen grundliegend zu ändern.

[Bearbeiten] Siehe auch

DSM 4

[Bearbeiten] Weblinks

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