Japan-Bondage
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Japan-Bondage, manchmal fälschlich Asien-Bondage genannt, meint eine bestimmte Art von Seilbondage, die sich gemeinhin durch eine Betonung der Ästhetik, die Verwendung besonderer Materialien (Hanfseil, Bambusstäbe), vor allem aber die verwendeten Techniken auszeichnet. Der Begriff Shibari bezeichnet heute eine besonders traditionelle Untergruppe dieser Fesselkunst, die insbesondere vom amerikanischen Bondage unterschieden wird.
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[Bearbeiten] Geschichte
Die Tradition von Bondage in Japan geht vermutlich auf die Fessel- und Foltertechniken während der Unruheperiode der Sengoku/Muromachi (etwa 1467-1600) zurück. Während dieser Zeit entwickelten sich Tasuki-dori und Hobaku-jutsu als Methoden, Gegner zu fangen wie auch Hojo-jutsu als Methode, Gefangene mit Seilen zu fesseln.
Während der friedlichen Edo-Periode (1600-1868) teilte sich die Fesselkunst in zwei Stränge auf. Auf der einen Seite entwickelten Polizei und Militär weiter Techniken, um Gefangene hilflos zu halten. Auf der anderen Seite wurden im Kabuki-Theater neben Liebesszenen (Nureba) auch Folterszenen (Semeba) zunehmend beliebter. Über die Abbildungen solcher Szenen in Holzdrucken wurde eine große Zahl von Bildern dieser Szenen für Liebhaber verfügbar. Daraus entwickelte sich als Überbegriff Ukiyoe-Darstellungen beider Szenenarten als eine vom Kabuki unabhängige Kunstform.
Zu den letzten Ukiyoe-Künstlern gehörte Seiu Ito, der 1919 seine ersten Fotos von Frauen in Bondage machte. Diese erschienen in den 20er Jahren in einigen japanischen SM-Zeitschriften. Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen wieder eine Reihe von Magazinen mit Bondage-Fotos. Als bekanntestes gilt der "Kitan Club" ("Club der seltsamen Geschichten", 1952). In den 50er Jahren entstanden auch erste Bondage-Fotoclubs analog zu denen von Irving Klaw in den USA. Auch erste Clubs mit Bondage-Vorführungen entstanden. Zudem setzte sich im Westen mehr und mehr der Begriff Shibari für traditionelle Japan-Bondage durch.
Nach Europa und die USA wurde Japan-Bondage unter anderem durch Fotografen wie Nobuyoshi Araki getragen, außerhalb des Kunstbereiches aber auch durch Bondagemagazine mit Werken ungenannter japanischer Fotografen. Auch japanische Comics (Mangas) haben eine Rolle gespielt.
[Bearbeiten] Kennzeichen
Im Unterschied zu den meisten westlichen Bondages werden die Seile beim Shibari doppelt genommen. Eine Ausnahme hierzu bilden die Techniken das Hojo-Jutsu, wo die Seile einfach geführt werden. Als Material wird immer Hanf oder Jute benutzt, hin und wiieder auch Reis aber nicht Baumwolle oder Nylon. Die Positionen sind zum Teil stark standardisiert, fast sogar ritualisiert, und können im Extremfall von einem Bondage-Meister zum anderen identisch sein. Es werden auch gern asymmetrische Fesselungen angewandt, die in westlichen Formen eher fehlen. Eine starke Betonung wird auf die Ästhetik der Fesselung gelegt. Der Bottom, insbesondere wenn es sich um eine Frau handelt, zeigt offen die Anstrengung, die ihm die Fesselung abverlangt.
[Bearbeiten] Ästhetik der Fesselung
Eins der wichtigsten Kennzeichen des traditionellen Japan-Bondage ist das Streben nach Ästhetik. Für Top, Bottom und etwaige Betrachter gleichermaßen soll die Fesselung optisch ansprechend sein und die Schönheit, aber auch die Hilflosigkeit und den Kampf des Bottoms betonen. Als einige Kriterien gelten (angelehnt unter anderem an Midori):
- Symmetrie - Bei bewusst symmetrischer Fesselung sollen Körperhaltung und die Seilführung auf beiden Seiten des Bottoms möglichst identisch sein, Knoten werden spiegelbildlich geknüpft.
- Asymmetrie - Bewusste Asymmetrie wird benutzt, um mehr optische wie physische Spannung zu erzeugen.
- Komposition - Der Blick des Betrachters wird durch die Stellung des Bottoms in die Fesselung hineingezogen, er folgt den durch Fesselung und Gefesselten vorgegebenen Linien. Die Komposition erschafft einen Gesamteindruck: So kann zB eine Agura wegen ihrer pyramidenartigen Form Stabilität ausstrahlen.
- Gleichmäßige Spannung - Die Seile sollen überall gleich eng sitzen, rutschende Seile sind eine Todsünde.
- Glatte Seilführung - Die Seile sollen gleichmäßig nebeneinanderliegen und nicht in- oder zueinander verdreht sein.
- Entschlossenheit - Der Top soll seiner Sache sicher sein, er soll nicht zögern, und er soll Seile mit angemessener Kraft festziehen (dies kann für den Bottom noch einmal seine Situation unterstreichen).
- Schwung - Seile, die mit großer Selbstsicherheit, mit Elan und schnell gesetzt werden, wirken lebendiger, dynamischer und dramatischer als vorsichtig gelegte Seile. Als ein Meister dieser Form galt Osada Eikichi ("The Flying Rope Man").
Alle diese Kriterien können und werden jedoch bewusst verletzt, um eine besondere Note oder Stimmung zu erzeugen. Insbesondere die Symmetrie wird gern gezielt unterbrochen, oft nur in einem kleinen Detail, um die in der japanischen Ästhetik wichtige "gebrochene Perfektion" zu erzielen.
Der Begriff der Ästhetik bezieht sich nicht nur auf das optische Bild, das sich dem Betrachter bietet, sondern auch auf die sinnliche Erfahrung, die der Bottom in den Fesseln hat. So sollen Seile nicht nur gleichmäßig eng aussehen, sondern auch gleichmäßig eng sitzen.
Die Betonung der Ästhetik kann dazu führen, dass die Fesselung nicht wirklich ausbruchssicher ist. Hier legt es der Bottom dann im Sinne einer Zierbondage nicht darauf an, zu entkommen.
[Bearbeiten] Ausdruck des Bottoms
Eine der deutlichsten Unterschiede bei japanischen Darstellungen von Bottoms zu denen westlicher Herkunft ist, dass die Anstrengung und der Schmerz des Bottoms offen gezeigt wird, ja Teil der Komposition ist. Hintergrund ist der höhere Stellenwert von Ausdauer und dem Ertragen von körperlichen Belastungen sowie Demütigungen in Japan. Vom Bottom wird beim Japan-Bondage eher erwartet, seine Lage demütig zu erdulden und unter der Fesselung Selbstdisziplin zu beweisen, statt sich haltlos dem Leiden hinzugeben. Dies unterscheidet Aufnahmen vom Japan-Bondage von simplen "Folter-Bildern" leidender Bottoms, wie sie von (westlichen) Websites wie zB InSex angeboten werden. Das Ziel ist nicht, möglichst extreme Leiden des Bottoms zu zeigen, sondern wie er mit Mut, Ausdauer und Disziplin seine Situation erduldet.
Von vielen Bottoms, die Erfahrung haben, auf japanische Art gefesselt zu werden, stammen Berichte über die geradezu spirituelle Erfahrung einer Japanbondage. Vieles davon mag die übliche Übertreibung von Sessionerlebnissen im Endorphinrausch sein, aber zweifellos kann Japanbondage innerhalb einer bewusst gewählten Geisteshaltung noch einmal um eine Dimension intensiver erlebt werden.
[Bearbeiten] Japanische Fremdworte
Für Japan-Bondage gibt es eigene Begriffe, die aber auch in Japan nicht einheitlich benutzt werden und im Westen nur recht grob Anwendung finden. Hier werden nur Bondage-Begriffe aufgeführt, weitere finden sich in Kategorie:Japanisches Fremdwort.
[Bearbeiten] Allgemeine Begriffe
- Hojo-jutsu - Kampf-Fesseltechniken der Sicherheitskräfte und Samurai
- Joh-sama - Weiblicher Top
- Kinbaku - Die Kunst der Bondage
- Nawashi - professioneller Bondager
- Semega - Darstellung von Folterszenen, ursprünglich aus dem Kabuki-Theater
- Shibari - Bondage (erotisches Fesseln)
[Bearbeiten] Bondage-Techniken
Eine längere Liste der Bondage-Techniken, auch zu Japan-Bondage, wird unter Bondage-Technik geführt.
- Agura (Fesselung im Schneidersitz)
- Gyakuebi (Gegenstück zum Hogtie)
- Kaikyaku kani
- Kikkou (Zierbondage am Torso)
- Matanawa (Form des Schrittriemen) - Ist keine Bezeichnung aus dem Shibari, sondern eine Eigenentwicklung von Midori
- Mune nawa (Brustbondage) - Ist keine Bezeichnung aus dem Shibari, sondern eine Eigenentwicklung von Midori
- Sakuranbo (Weibliches Genital) - Ist eine Erfindung aus Europa
- Tsuri-Nawa (japanische Varianten des Hängebondage)
- Ushirote munenawa (Arme und Brust) - Ist keine Bezeichnung aus dem Shibari, sondern eine Eigenentwicklung von Midori
[Bearbeiten] Bekannte Japan-Bondager
- Akechi Denki (Japan)
- Bob, RopeMarks (Niederlande)
- Osada Eikichi (Japan)
- Matthias T. J. Grimme (Deutschland)
- Seiu Ito (Japan)
- Master K (USA)
- Randa Mai (Japan)
- Midori (USA)
- Kazami Ranki (Japan)
- Osada Steve (Japan)
- Zamil (Deutschland)
- Umino (Schweiz)
[Bearbeiten] Weblinks
- Asian Bondage im Papiertiger
- Shibari in der Wikipedia
- Das Bondageproject von Matthias Grimme
- RopeMarks - The true beauty of Shibari (engl.)
- Osada Steve - Official homepage (engl.)
- Dragonrope - Art of ropes
- Wikibook zum Thema Shibari (in Bearbeitung)
- Japan-Bondage im Papiertiger
- Anleitungen zum Japan Bondage (Shibari, Shinju, Kekomi, etc.)
[Bearbeiten] Literatur
- Midori: The Seductive Art of Japanese Bondage, Greenery Press (2001). ISBN 1890159387. Ein Überblick über grundlegende Techniken wie auch über die Geschichte und dahinter stehende Philosophie.
Zeigt Midories Eigenentwicklungen aber kein klassissches Shibari
- Master "K": Shibari The Art of Japanese Bondage, SECRET/Glitter (2004). ISBN 9080770620. Geschichte und Technik des Shibari in reiner Form.
