Schlagspiele
Aus SMiki, dem BDSM- und Fetisch-Wiki
Schlagspiele ist der Oberbegriff für Praktiken, bei denen sich ein Teilnehmer eines erotischen, sexuellen oder sadomasochistischen Spiels schlagen lässt (einvernehmlich).
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[Bearbeiten] Begriffe
Je nach Kontext und Personengruppe werden die verschiedenen Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.
[Bearbeiten] Spanking
(Haupteintrag siehe Spanking)
Vor allem im deutschen Sprachraum wird "Spanking" (engl. to spank "jemandem den Hintern versohlen") oft mit Schlägen der Hand auf Po und Beine gleichgesetzt. Im englischen Sprachraum hingegen ist "Spanking" weiter gefasst und meint Schlagen mit oder ohne Werkzeug auf Beine, Brust und natürlich den Po.
[Bearbeiten] Flag, Flagellation
Das englische "Flag" (lateinisch flagellum, "die Peitsche") meint hauptsächlich das Schlagen mit Werkzeugen, ist aber in einigen deutschsprachigen Gruppen weniger in Gebrauch. Flagellation ist zwar ein technisch korrekter Begriff, wirkt aber eher veraltet.
Im deutschsprachigen Raum gibt es eine größere Gruppe von Menschen, die sich ausdrücklich als "Flagellanten" bezeichnen, sich aber vehement dagegen wehren, der SM-Szene zugerechnet zu werden. Sie verwahren sich auch deutlich dagegen, dass Flag etwas mit Erotik zu tun habe (wobei die Literatur und Ästhetik dieser Gruppen sehr wohl einen erotisch-pornografischen Charakter hat).
Neben diesen beiden Sammelbegriffen gibt es eine ganze Reihe verwandter Wörter, zum Beispiel: Schlagen, Schlagspiel, Po versohlen, Hintern versohlen, Arsch versohlen, Senge, Dresche, Haue, Popoklatsch, ausklatschen, Hosenboden stramm ziehen, Hintern voll geben, Arschvoll (als Substantiv) oder Züchtigung (etwas weiter gefasst als nur Spanking/Flag).
[Bearbeiten] Slapping, Face Slapping, Ohrfeigen
(Haupteintrag siehe Ohrfeigen)
Slapping, auf deutsch Ohrfeigen, bezeichnet das Schlagen mit der flachen Hand ins Gesicht des Bottom. Dies kann eine höchst intensive Form der Hingabe an den dominanten Partner sein.
Freunde des Face slapping sehen darin einen sehr großen Vertrauensbeweis bis hin zum Liebesbeweis, da im normalen Leben das Ohrfeigen überwiegend als verletzend, demütigend und missachtend empfunden wird.
[Bearbeiten] Motivation
Es gibt viele Gründe dafür, warum Menschen sich gern schlagen lassen oder gern andere Menschen schlagen. Grob und ohne scharfe Grenzen kann man folgende Gruppen beschreiben:
Schmerzerotik: Hier erotisieren Menschen den durch Schläge hervorgerufenen Schmerz unmittelbar und direkt. Dominanz oder Erotic Power Exchange spielen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle, da der Schmerzreiz das Ziel ist. Auf der Seite des Schlagenden besteht das Interesse zum Beispiel darin, das Schmerzerlebnis ihres Gegenüber möglichst lustvoll zu gestalten, woraus er/sie wiederum eigenen Lustgewinn zieht.
Katharsis: Für diese SMer ist das Ziel eines Schlagspiels Erlösung, Reinigung (Katharsis). Dieses Ziel wird manchmal in ein Bestrafungsspiel eingebettet, welches dann für sich alleine steht oder Teil eines Rollenspiels ist. Am Ende eines solchen Schlagspiels fühlen sich einige Bottoms nach ihren eigenen Beschreibungen gelöst, befreit, weich oder geläutert. Manchmal erleben sie ein als befreiend empfundenes Weinen. Einige Tops gehen bei diesen Spielen bis an ihre eigenen Grenzen und beschreiben dies dann so, als ob sie "recht hart und ausdauernd vorgehen" müssten, um das Ziel Erlösung erreichen zu können. Sie beschreiben auch oft, dass sie während des Schlagspiels eine gewisse Distanz zu ihrem Spielpartner wahren müssen, damit sie ihm das durch Absprachen vereinbarte Ziel ermöglichen können.
Unterwerfung: Vor allem in D/S-Beziehungen kann die Unterwerfung als Anlass für eine Session dienen. Der Bottom erotisiert weniger den Schmerz oder die Bestrafung, sondern eher das Gefühl, dem Top ausgeliefert zu sein, der mit ihm/ihr machen kann was er/sie will, eben auch eine "Tracht Prügel" erteilen.
Macht: Eine häufige Motivation auf der Topseite ist das Gefühl, Macht auszuüben. Ob im Bestrafungskontext oder im D/S Spiel - der Top hat die Macht, dem Bottom "Schmerz und Leid" zuzufügen. Umgekehrt gibt es Menschen, die bei Schlagspielen ein Gefühl der Ohnmacht erleben und daraus den Kick ziehen.
Tabubruch: Beide Seiten erotisieren häufig auch den Tabubruch: man schlägt nun mal keinen anderen Menschen.
[Bearbeiten] Geschichte
Die vermutlich ältesten Flag-Abbildungen im erotischen Kontext sind einzelne Mosaiken im Bordellbezirk von Pompeii, auf denen eine Frau einem mit kurzem, weißem Hemdkleid bekleideten Mann (Sklaven?) mit einer Rute den Hintern versohlt. (vgl. Erotica Universalis, Taschen-Verlag). In der klassischen Literatur finden sich Referenzen auf erotische flag-Spiele bereits bei den Griechen und Römern. Projiziert man die Tendenz, Flag und verwandte Spielarten unter dem Deckmantel "Erziehung" zu diskutieren, auf die ferne Vergangenheit, dann hätten sich bereits im alten Mesopotamien Schriften mit diesem Thema befasst. Eine Blüte erlebte erotische Flagellation zunächst im 17. und 18. Jahrhundert, dann im sonst eher prüden viktorianischen Zeitalter, später noch einmal im relativ liberalen europäischen Großstadtklima Anfang der 20er Jahre.
[Bearbeiten] Schlaggeeignete Körperteile
Der menschliche Körper ist von einer mehr oder weniger dicken Schicht von Muskeln und Fett umgeben, die prinzipiell Schläge aushält. Aus Sicherheitsgründen sollte man jedoch einige Bereiche ganz aussparen. Dazu gehören der Kopf, der Hals, das Rückgrat, die Nierengegend, alle Gelenke, die Schienbeine sowie die oberen seitlichen Hüften (Nervenbahnen).
Vorsichtig sollte der Schlagende mit den Schlüsselbeinen, den Geschlechtsorganen und der Bauchdecke umgehen. Hier liegen ebenfalls empfindliche Organe, Knochen oder Nerven dicht unter der Oberfläche der Haut. Die Gefährdung hängt zum einen von der Treffsicherheit des Tops ab und zum anderen davon, ob das "Opfer" dünn oder kräftig, männlich oder weiblich ist.
Am besten geeignet für Flag ist wegen der kräftigen Muskel- und Fettschicht der Po, gefolgt von den Rückseiten der Schenkel und dem oberen Rücken (Schulterblätter). Gerne genommen werden die sehr empfindlichen Innenseiten der Schenkel, weniger üblich, aber durchaus interessant sind die Waden, die Oberarme und der Bauchbereich. Geeignete Übung und Feinfühligkeit vorausgesetzt sind auch die weiblichen Brüste für flag geeignet. Reizvoll, aber wegen der dort verlaufenden Nervenbahnen und Knöchelchen nichts für Ungeübte, ist flag auf die Fußsohlen (Bastonade).
Schmerzhaft, aber oft sehr erotisch ist das Schlagen auf die weiche Haut zwischen den Pobacken besonders bei etwas üppigeren Bottoms, wobei wegen des Steißbeins allerdings wenig Kraft angewandt werden sollte.
[Bearbeiten] Schlaginstrumente
Im Rahmen von Schlagspielen sind Schlaginstrumente alle Spielzeuge, die man zum Schlagen verwenden kann. Je nach Bauart des Schlaginstruments rufen sie vollkommen unterschiedliche Empfindungen hervor. Eine ausführliche Einleitung dazu findet man unter: Einleitung Schlaginstrumente.
