Selfbondage
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Selfbondage (engl. "Selbstfesselung") ist eine Form des Fesselspiels, bei der man sich selbst ohne Beteiligung einer anderen Person fesselt, und das möglichst hilflos.
Der Gefesselte kann dabei entweder dafür sorgen, dass er sich selbst mit mehr oder weniger großer Mühe befreien kann, oder es ist abgemacht, dass eine andere anwesende Person die Fesselung am Ende löst. Manche Sadomasochisten haben ihre ersten SM-Erfahrungen mit Selfbondage gemacht, einige davon (präpubertär) in ihrer Kindheit, noch ehe sie eine Vorstellung von Sexualität hatten oder von Sadomasochismus gehört haben.
Keuschheitsgürtel werden nicht zur Selfbondage im engeren Sinn gezählt und hier nur kurz angesprochen.
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[Bearbeiten] Formen und Techniken
Wenn eine zweite Person anwesend ist oder später hinzukommt, kann die Fesselung so ausgeführt werden, dass sich der Gefesselte tatsächlich selbst nicht mehr befreien kann (siehe Sicherheitshinweis unten). Das gelingt schon, indem der Selfbondager zum Schluss ein Schloss oder eine Handschelle schliesst, deren Schlüssel unerreichbar ist.
Bei einer reinen Solo-Fesselung wird dagegen entweder eine Pseudofesselung angewandt, oder eine zeitliche Begrenzung eingebaut, mit der die Fesselung erst nach einer gewissen Zeit (und nur dann) gelöst werden kann (Tunnelspiel).
- Bei einer Pseudofesselung werden zum Beispiel die Knoten eines Seils oder die Schnallen der Riemen so in erreichbarer Nähe gelassen, dass der Gefesselte sie selbst wieder lösen kann.
- Das klassische Zeit-Spiel ist der Schlüssel im Eiswürfel. Dabei wird lange vor dem Spiel ein Schlüssel zu einem Schloss oder zu Handschellen in eine Menge Eis eingefroren und dieser Eisblock kurz vor dem Spiel herausgelegt. Der Selfbondager schließt sich ein und kann sich erst befreien, wenn das Eis aufgetaut ist. Andere Varianten benutzen Safes mit Zeitschaltuhren, oder Zahlenkombinationsschlösser, die eine Befreiung erst nach einer ungewissen Dauer ermöglichen. Träger von Keuschheitsgürteln verschicken oft den Schlüssel mit der Post an sich selbst (Achtung, Post kann verlorengehen) oder deponieren ihn in einem Bankschließfach.
- Eine weiteres Zeit-Spiel besteht im Verknoten eines möglichst langen Seils. Das Lösen der Knoten dauert geraume Zeit.
Ebenfalls möglich ist das Austesten eigener Grenzen, indem ein Schmerzreiz oder eine andere selbst gestellte Aufgabe überwunden werden muss, ehe die Fesselung gelöst werden kann. Z.B. können Brustklammern irgendwo befestigt und die Hände auf dem Rücken so gefesselt werden, dass sich die gefesselte Person erst von den Klammern losreißen muss, ehe die Fesselung gelöst werden kann. Derartige Aktionen sind jedoch nicht ungefährlich und können zu Verletzungen führen.
In allen Formen ist die Fesselung bis auf den letzten Schritt - fast immer die Fesselung der Handgelenke - so ausbruchssicher und "echt" wie nur möglich. Der Akt des Fesselns besteht damit aus einer Reihe von zum Teil ausgeklügelten, aufeinander aufbauenden Einzelschritten, die den Gefesselten Stück für Stück hilfloser machen, bis die Fesselung mit einem einzigen Schritt abgeschlossen wird. Dieser letzte Schritt ist umkehrbar, von da aus wird die Fesselung wieder aufgelöst.
Die reine Fesselung wird oft mit anderen Pratiken wie zum Beispiel Augenbinden, Knebeln oder Klammern ergänzt.
[Bearbeiten] Motivation
Selfbondage ohne Partner ist eigenständige Praktik und wird keineswegs nur aus Mangel an passenden Spielpartnern ausgeübt. Sie erlaubt dem Gefesselten, das Gefühl der Hilflosigkeit und des Sinnesentzugs zu erforschen. Bei besonders aufwändigen und zeitintensiven Fesselungen kann der Prozess den Charakter einer "inneren Reise" annehmen. Wie bei allen Formen des Bondage kann die Suche nach einer möglichst ansprechenden und sicheren Form der Fesselung als intellektuelle Herausforderung gesehen werden. Manche Selfbondager filmen sich auch selbst.
Tops können Selbstfesselungen benutzen, um zu lernen, wie sich der Bottom in bestimmten Stellungen fühlt. Bottoms können Selfbondage benutzen, um anstrengende Stellungen wie den Hogtie oder Varianten des Kniens zu trainieren oder auch zu erforschen, wie ihr Körper unter diesen Belastungen reagiert.
Eine Selbstfesselung mit einem anwesenden oder später hinzukommenden Partner kann zusätzlich demütigend sein: der Bottom muss sich selbst in die hilflose Lage bringen, was durchaus auch als Geschenk an den Top verstanden werden kann. Unzählige SM-Geschichten beginnen mit einer Selbstfesselung, zu der dann eine unerwartete Person hinzukommt.
[Bearbeiten] Sicherheit
Mehrmals pro Jahr berichten Medien von tot aufgefundenen Personen in eindeutig sexuell begründeter Fesselung; in der medizinischen Fachliteratur sind hunderte solcher Fälle dokumentiert. Selfbondage ist nicht ungefährlich, allerdings suggerieren die sensationslüsternen Berichte mehr Gefahr, als tatsächlich besteht: Todesfälle sind glücklicherweise eine seltene Ausnahme. Nicht jeder, der sich selbst fesselt, tut dies so, dass er tatsächlich komplett hilflos ist.
Die Risiken bei Selfbondage sind dieselben wie bei jeder Bondage - nur potenziert, da im Notfall niemand da ist, der einen schnell befreien kann. An erster Stelle steht die Erstickungsgefahr. Dazu genügt bei einem Geknebelten eine kurzzeitig verstopfte Nase, oder Seile verrutschen derart, dass sie die Atemwege abschnüren. Wer sich dann nicht in Sekunden befreien kann, ist in Lebensgefahr. Schädigungen auf Grund von Durchblutungsstörungen, die bis zum Absterben von Extremitäten führen können, sind ebenfalls möglich. Wer sich in einer stehenden Position fesselt, riskiert bei einer auch kurzzeitigen Ohnmacht, dass die Blutversorgung des Gehirns nicht mehr ausreicht und ohne den natürlichen Reparaturmechanismus - das Hinfallen - nicht wiederhergestellt werden kann.
Eigensicherung ist lebenswichtig. Ein verantwortungsbewusster Selbstfessler plant voraus, und er plant auch ein, daß höchstwahrscheinlich etwas schiefgehen wird. Analog zum Covern können Kontrollanrufe durch Freunde vereinbart werden, die einen Schlüssel zur Wohnung besitzen und notfalls schnell vorbeikommen können (sie kommen zB dann, wenn niemand ihren Anruf entgegennimmt). Noch besser ist es, wenn sowieso zu einem vereinbarten Zeitpunkt jemand vorbeikommt oder im Nebenzimmer anwesend ist. Man fesselt sich also erst dann, wenn man weiß, dass man maximal soundso lange hilflos ist - mit dem Risiko, daß die covernde Person im Stau steckenbleibt.
Auch Einsteiger, die keine Kontakte im SM-Bereich haben bzw. sich niemandem gegenüber geoutet haben, sollten sich im Vorfeld einer Ganzkörper-Selfbondage einen Vertrauten (Schutzengel) suchen, den sie in ihr Vorhaben einweihen. Dieser kann beispielsweise zu einem festgelegten Zeitpunkt einen Kontrollanruf machen und ggf. die Polizei bzw. den Notarzt alarmieren. Das Sprechen mit einem Vertrauten kann ein erster Schritt dazu sein, sich auch sonst zu seiner Neigung zu bekennen.
