USA

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Dieser Text gibt einen Überblick über Sadomasochismus in den USA.

Als Geburtsland der ersten offenen Gruppen und wegen des Fehlens einer landesweiten Zensur kamen im 20. Jahrhundert die stärksten Einflüsse auf die sadomasochistischen Subkulturen in den Industrieländern aus den USA. Die Vorliebe für Leder, die ersten Handbücher, Grundprinzipien wie SSC, große Teile der Terminologie und die Anerkennung von sadomasochisten Frauen gehen zum überwiegenden Teil auf amerikanische Sadomasochisten zurück.

Wegen der deutlichen Unterschiede zur juristischen Situation in Deutschland wird hier ausführlicher auf den Hintergrund eingegangen als in vergleichbaren Texten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Juristische Situation

Die juristische Situation für Sadomasochisten in den USA ist auf Grund der Autonomie der Bundesstaaten und Gemeinden äußerst uneinheitlich. Allgemein dürfte sie schlechter sein als in Deutschland.

[Bearbeiten] Rechtlicher Status

Der rechtliche Status variiert stark von Bundesstaat zu Bundesstaat und von Gemeinde zu Gemeinde. Die Vielfalt geht auf die grundliegende politische Struktur zurück.

In den USA gibt es keine Bundesgesetze nach deutschem Muster. Die einzelnen Bundesstaaten oder auch die darunterliegenen Ebenen wie die Landkreise (counties), etwaige Gemeinden (townships) und Städte (cities) sind für die Verordnungen und Gesetze verantwortlich, die Sadomasochisten betreffen. Daneben gibt es eine Reihe von Spezialfällen wie die Indianer-Reservate, die als sovereign nations juristisch von den Bundesstaaten unabhängig sind, oder dem Regierungsbezirk District of Columbia.

Das ausgeprägte System der direkten Demokratie in den USA gibt der Bevölkerung zudem einen sehr großen Einfluss auf alle Teile des Staatswesens, die für Sadomasochisten bedeutend sind: In einigen Teilen der USA werden nicht nur die Bürgermeister direkt gewählt, sondern auch Polizeichefs und Richter. Verstärkt wird dieser Einfluss durch das Geschworenensystem in der Justiz und die Direktwahl von Abgeordneten in den Parlamenten aller Ebenen. Dadurch neigen Regionen mit einer konservativen Bevölkerung dazu, eher konservative Regeln auszubilden, während in liberalen Gegenden eher liberale Regeln bestehen.

Als Folge dieser modulären Struktur kann die rechtliche Situation nur für jeweils jede Gemeinde sicher angegeben werden. Städte wie San Francisco sind beispielsweise liberaler als der europäischer Durchschnitt, während in den Südstaaten traditionell eine erzkonservative Einstellung in Sexualfragen dominiert.

Der Einfluss der Bundesregierung auf das Alltagsleben von Sadomasochisten ist im Vergleich zu diesen Faktoren trotz gelegentlich heftiger Rhetorik einzelner Präsidenten vernachlässigbar.

[Bearbeiten] Rechtssicherheit

Die Rechtssicherheit im Sinne von Beständigkeit ist in den USA allein wegen der Aufteilung in unabhängige Rechtsbereiche vergleichsweise gering. Die Justiz genießt wegen der stärkeren Gewaltenteilung eine größere Unabhängigkeit, welche Fälle sie annimmt oder auch nicht. Entscheidungen von Geschworenen können unerwartet ausfallen. Sadomasochisten in den USA agieren in der Regel daher in einem weniger klar definierten, meist nur lokal gültigen Umfeld.

Wegen der stärkeren Bedeutung von Präzidenzfällen können zum Teil Jahrhunderte alte Gesetze formell noch in Kraft sein, obwohl sie nicht mehr angewandt werden. Entsprechende Medienberichte, was angeblich in welchen Kommunen an sexuellen Handlungen verboten sein soll, haben wenig mit dem tatsächlich angewandten Recht zu tun.

[Bearbeiten] Privatsphäre

Ein Schutz der Privatsphäre ist weder direkt noch indirekt in der amerikanischen Verfassung oder seinen Anhängen vorgesehen. Zwar haben einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien entsprechende Vorschriften, als Rechtsgut wird die Privatssphäre jedoch oft bewusst im Rahmen einer stärkeren Überwachung der Staatsorgane aufgegeben. So sind Angaben darüber, wer wann und warum von der Polizei besucht wurde, öffentlich zugänglich, um Übergriffe der Staatsorgane zu verhindern. Ein Recht auf das eigene Bild existiert nicht.

Sadomasochisten müssen in der Regel damit rechnen, dass ihre Neigung von den Medien an die Öffentlichkeit getragen werden kann.


[Bearbeiten] Zensur

Die Zensur-Situation in den USA ist für Sadomasochisten ausgesprochen gut. Für Bücher und andere Texte ist sie weltweit einzigartig günstig.

[Bearbeiten] Politische Zensur

Die amerikanische Rechtsauffassung sieht die Meinungs- und Pressefreiheit als den wichtigsten Garant für eine funktionierende Demokratie. Ihr sind fast alle anderen Rechtsgüter untergeordnet.

Der erste Verfassungszusatz (First Amendment) verbietet es dem Kongress, Gesetze zu erlassen, die die Meinungs- oder Pressefreiheit beschränken. Der vierzehnte Verfassungszusatz weitete dies auch auf Gesetze der Bundesstaaten aus. Nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichts dürfen auch auch die Exekutive und Justiz nicht diese Rechte einschränken.

Diese Meinungsfreiheit wird in Bezug auf obszöne oder pornografische Material nicht streng eingehalten. Nach dem "Miller-Test" ist jedoch seit 1973 die Empfindung in der jeweiligen Gemeinde das entscheidende Kritierium, ob etwas als obszön gilt oder nicht. Eine Zensur in den USA existiert daher für ein bestimmtes Schriftwerk - wenn überhaupt - nur auf kommunaler Ebene. Eine Zensur auf Landes- oder Bundesebene findet nicht statt. Wegen der starken direkten Demokratie gibt dies der Bevölkerung erhebliche Einflussmöglichkeiten darauf, was als obszön bewertet wird.

Für Medien wie Fernsehen und Hörfunk gelten andere Standards. Die Ausstrahlung von obszönem Material über Funkwellen ist verboten und wird von der Bundesrundfunkbehörde FCC überwacht, die jedoch faktisch nur bei Beschwerden tätig wird. Zwar überwacht die FCC auch das Kabelfernsehen, dort ist jedoch auch harte Pornografie zugelassen.

Die genauen Regeln zum Internet sind der Gegenstand mehrere Rechtsverfahren. Lange Zeit arbeiteten Websites wie Insex oder House of Gord weitgehend unbehelligt - Gord zog sogar aus Großbritannien in die USA, um seiner Arbeit besser nachgehen zu können. Unter Präsident George W. Bush erhöhte die Bundesregierung ihren Druck unter anderem auf Websites, die sadomasochistische Darstellungen enthalten. Der Betreiber von InSex, Intersec Interactive beschloss sich im Oktober 2005 zum Verkauf der Site, um kostspieligen Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen.

Der Besitz von obszönen Material kann nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts wegen des ersten Verfassungszusatzes nicht verboten werden.

Wegen der zentralen Stellung der Meinungsfreiheit im amerikanischen Demokratieverständnis gibt es zahlreiche Organisationen, die aus Prinzip auch für die Ausdrucksfreiheit sexueller Minderheiten eintreten.

Zusammengenommen ist eine politsche Zensur für amerikanische Sadomasochisten in den meisten Fällen unerheblich und wo vorhanden leicht zu umgehen. Romane und andere Bücher sind heutzutage praktisch nicht zu verbieten. Dem Internet sind bislang keine Schranken auferlegt. Diese Freiheit hat unter anderem dazu geführt, dass die ersten Sachbücher über SM alle aus den USA stammten und dass Internet-Gruppen wie alt.sex.bondage einen wichtigen Einfluss auf Subkulturen weltweit ausüben konnten.

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Zensur

Händler in den USA sehen sich wesentlich häufiger als in Europa mit Boykottaufrufen gut organisierter Interessengruppen konfrontiert. Je nach Größe (landesweite Kette oder Krämerladen) und Form (Buchladen oder Online-Store) sind Händler davon mehr oder weniger stark zu beeinflussen.

Da der Bund keine Möglichkeit zur Zensur hat, sind Online-Händler meist deutlich liberaler als in Deutschland. Das Verbot von sadomasochistischen Materialien auf Ebay in Deutschland besteht in den USA beispielsweise nicht.

Der Markt für englischsprachige Bücher geht weltweit in die Milliarden und macht auch Randpublikationen wirtschaftlich tragbar.

[Bearbeiten] Andere Einflüsse

Kein Industriestaat hat so viele so gut organisierte religiöse Gruppen, die einen Einfluss auf die Politik auszuüben versuchen wie die USA. Wegen der direkten Demokratie sind sie häufig in der Lage, die örtlichen Gesetze nach ihren Moralvorstellungen zu beinflussen. Dadurch entsteht ein starkes Gefälle zwischen den eher liberalen Städten und konservativen ländlichen Gebieten. Entsprechende Gruppen sind auch durchaus bereit, Mitglieder sexueller Minderheiten zu outen.

[Bearbeiten] Subkultur

Die amerikanische Subkultur ist wegen der größeren juristischen Unsicherheiten weniger offen und neigt insbesondere mehr dazu, die Namen ihrer Teilnehmer geheim zu halten. Es besteht ein größerer Kontakt zwischen der nichtkommerziellen Subkultur und der kommerziellen Szene als in Deutschland.

[Bearbeiten] Größe der Subkultur

Über die Größe der Subkultur in den USA sind keine genauen Angaben bekannt.

[Bearbeiten] Wichtige Organisationen, Einrichtungen und Veranstaltungen


[Bearbeiten] Geschichte

Kleidung und Rituale von Sadomasochisten in den Industriestaaten richten sich bis heute in ihrem Kern noch nach dem Vorbild der Old Guard |schwuler amerikanischer Sadomasochisten nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese bildeten über Motorradclubs die erste modernen Subkulturen und führten so Elemente wie Leder, Hanky-Codes und eine ganze Terminologie ein. Im Jahr 1972 brachte Larry Townsend das erste SM-Handbuch überhaupt, das "Letherman's Handbook", heraus.

Die weltweit erste bekannte Lesben-Gruppe war 1978 Samois, zu der Pat Califia gehörte und die das erste Lesben-SM-Handbuch "Coming to Power" veröffentlichte.

Im Jahr 1983 führt die schwule New Yorker Gruppe GMSMA das Motto safe, sane, and consensual (SSC) ein, das zu dem Leitspruch für Sadomasochisten in den westlichen Staaten wird.


[Bearbeiten] Bekannte Personen


[Bearbeiten] Literatur

Bücher, die einen aktuellen Überblick über die Situation in den USA geben sind nicht bekannt.

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge